Brauchtumspflege

D’r hellije Zinter Mätes
 
„D’r hellije Zinter Mätes, dat wor ne jode Mann …“,
so klingt es im November auf vielen Straßen und Gassen in den Veedeln unserer Stadt. Schul- und Kindergartenkinder ziehen dann mit ihren selbst gebastelten Laternen begleitet von den örtlichen Musikkapellen durch ihr Veedel (ihren Stadtteil). Vorneweg reitet im stolzen Römerkostüm der Heilige Martin. Der Zug endet meist auf einer großen Wiese, wo dann ein richtiges Martinsfeuer angezündet wird. Oft wird im Schein des Feuers die Szene aus dem Leben des Heiligen Martins nachgespielt, in der der römische Offizier Martin einem frierenden Bettler die Hälfte seines Mantels gibt, den er mit seinem Schwert in 2 Teile schneidet.
Zurück in Schule oder Kindergarten angelangt bekommen die Kinder einen Weckmann, den sie oder die Eltern selbst gebacken haben.
Mit ihren bunten Laternen ziehen dann die Kinder in kleinen Trupps von Haus zu Haus und betteln laut singend „Hier wohnt ein reicher Mann, der uns was geben kann …“. Bleibt die Tür geschlossen und gibt es keine Süßigkeiten, Nüsse, Obst oder Gebäck rufen die Kinder ihre Enttäuschung laut heraus „Kniesköpp, Kniesköpp“ (Geizhals, Geizhals).
 
Das Martinsfest im Rheinland geht auf die besondere Verehrung des Heiligen Martins zurück, der 316 in Ungarn geboren wurde, später aber in Frankreich lebte. Martin war Offizier des römischen Heeres in Frankreich. Später wurde Sankt Martin Bischof von Tours und gründete das erste Kloster Europas in Liguge bei Poitiers in Frankreich. Das Namensfest des Bischofs und Bekenners Martinus ist am 11. November, demTag seiner Beisetzung im Jahr 397.
 
Es gibt viele Geschichten und Legenden, die sich um das Leben des Martin von Tours ranken. Die bekannteste Legende ist die Mantelteilung vor den Toren der Stadt Amiens in Frankreich. Eine weitere verbirgt sich hinter dem Brauch, zu Martin eine Gans zu essen. Als Martin Bischof werden sollte, versteckte er sich in einem Gänsestall. Die Gänse verrieten ihn aber durch ihr lautes Geschnatter. Dies büßen heute viele Gänse nun mit ihrem Leben und landen als Braten zum Martinstag auf den Tisch.
 
Auch an der Grundschule Irisweg ist das Martinsfest fester Bestandteil des Schuljahres. Wochen vorher beginnen die Kinder in den Klassen mit dem Basteln der Martinslaternen. Der Tag des Martinsfestes, welches meist schon vor dem 11. November stattfindet, um nicht Martinsfest und Karnevalsbeginn (11.11, 11:11 Uhr) zu vermengen, beginnt vormittags mit dem Weckmann backen in den Klassen. Anschließend wird letzte Hand an die Laternen gelegt. In den Klassen können die Kinder nun auch die Lose für die Martinsfestverlosung erwerben, die vom Förderverein organisiert wird. Kurz vor dem Dunkelwerden treffen sich alle Kinder auf dem Schulhof und ziehen dann mit dem Sankt Martin zu Pferd durch die Straßen von Zündorf zum Martinsfeuer. In den Klassen gibt es dann zum Abschluss die Weckmänner und heißen Kakao. Die Eltern und Helfer können sich bei „Glöhwing, Kölsch un Zupp“ stärken.
 
Hier zum Nachlesen und Mitsingen das kölsche Martinslied, so wie wir es im Zug singen:
 
1. D’r hellije Zinter Mätes, dat wor ne jode Mann,
   dä jof de Kinder Kääzcher un stoch se selver an.
   Butz, butz wieder butz, dat wor ne jode Mann.
   Hier wohnt ein reicher Mann, der uns was geben kann.
   Viel soll er geben, lange soll er leben,
   selig soll er sterben, das Himmelreich erwerben.
   Lass uns nicht so lange, lange steh’n, denn wir müssen weiter geh’n, weitergeh’n.
 
2. D’r hellije Zinter Mätes, dä kütt och hück zo uns,
    dröm jo’mer met de Fackele, et freut sich Klein un Jruss.
    Butz, butz, wieder butz
 
3. D’r hellije Zinter Mätes, dä rick lans jede Döör,
    un sähnt de Huus un Hätze, de Frösch in Schobb un Schöör.
    Butz, butz, wieder butz
 
4. D’r hellije Zinter Mätes kütt immer huh ze Pääd,
    hä steiht en huhe Ihre em Himmel un op Äd.
    Butz, butz, wieder butz