Schulleben

Die Welt der Klänge, Muster und Farben
Kunstprojekt Schüler der Grundschule Irisweg machen die passende Musik zu Kunstwerken im Museum Ludwig 

Wo kommen denn die Geräusche her? Neugierig schauen Besucher des Museums Ludwig um die Ecke, Ihr Blick fällt auf eine Schülergruppe, die vor einem großen abstrakten Gemälde des Künstlers Ernst Wilhelm Nay auf dem Boden sitzt.
Das Bild schein aus riesigen bunten Tropfen zu bestehen. Was stellt es dar? Die vierte Klasse der Grundschule Irisweg hat sich intensiv mit dem Werk des Künstlers beschäftigt und erschafft passend dazu Klangmalerei. 

Klangfolge
Die Mädchen und Jungen sind mit einer großen Auswahl an Instrumenten ausgerüstet. Sie haben sich gut vorbereitet und wissen, was zu tun ist. Die Kinder erzeugen schnarrende, rasselnde und rauschende Geräusche, unterlegt mit einem Rhythmus. Es ist keine eingängige Melodie, die die jungen Musiker spielen. Eher Klangfolge, bei denen die Töne manchmal abrupt wechseln. Neue Instrumente kommen hinzu, lösen andere ab. Wer genau hinhört, meint ein Meeresrauschen zu erkennen. 
Die vierte Klasse nimmt teil an dem Projekt „Klangbilder im Kunstmuseum“ unter Leitung von Peter und Christine Wolf. Das Ehepaar ergänzt sich in seinem Tätigkeitsfeld: Peter Wolf übernimmt den künstlerischen Part als Musikpädagoge und Christine Wolf betreut als Kunstlehrerin die Schüler.

„Die Eheleute Wolf sind Experten. Auch ich habe als Musiklehrerin dazu gelernt“, sagt Klassenlehrerin Magdalena Cwalina. Das Projekt begann mit einem Besuch im Museum Ludwig. Die Kinder schauen sich vier zuvor ausgewählte Gemälde genau an. Christine Wolf berichtete Wissenswertes zu den Malern, zum Begriff der Abstrakten Malerei und den verschiedenen Maltechniken. In der Werkstatt der Museumsschule lernten die Jungen und Mädchen Peter Wolf und seine Instrumente kennen: verschiedene Trommeln, Klanginstrumente wie das Metalophon, den Waldteufel oder ein Stück Gartenschlauch mit Mundstück, das als Blasinstrument dient. Auch außergewöhnliche Materialien wie Styroporstücke und dicke Kunststofffolie kommen zum Klang-Einsatz. Bei Experimenten lernen die Schüler einen Grundsatz kennen, der auf den amerikanischen Komponisten John Cage zurückgeht: Alles, was man hören kann, kann Musik sein. Wolf erklärt die Übungen: „ Die Kinder lernen klare Unterschiede zwischen den Instrumenten herauszuhören und was wie klingt.“ Amira spielt zu einem der Gemälde das Metallphon und kann mittlerweile die Klänge zuordnen: „Es gibt harte und weiche Töne. Und glatte und raue Geräusche. Das sind Gegensätze“, sagt sie.


Junge Experten 
Die Schüler sind konzentriert bei der Sache und Daniel erklärt den Ablauf, „Wir haben vier Gruppen gebildet, und es gibt einen Spielplan. Darauf steht, wer bei dem Bild welches Instrument spielt.“ Jede Gruppe hat sich im Unterricht zu einem der Bilder Expertenwissen angeeignet und berichtet den Mitschülern davon. Eine Gruppe weiß, dass der Maler Amin Tapes durch Ritzen, Kratzen und Spachteln eine besondere Oberflächenstruktur geschaffen hat. Sein Werk „Zeichnen auf weißen Ovalen“ erhält daher ein Klangbild, in dem raue, harte Geräusche dominieren. Peter Wolf erläutert die Basis des Projektes: „Die Malerei hat sehr viel mit der Musik zu tun. Den Akt des Malens und die Entstehung des Bildes kann man vergleichen mit dem zeitlichen Ablauf der improvisierten Musik. Daher ist es naheliegend, beides miteinander zu verknüpfen.“ 

Donnerstag, 7.Juli 2016 Kölner Stadt-Anzeiger von Alexandra Seiner